Prometheus ist ein Open-Source-System für Monitoring und Alarmierung. Es sammelt numerische Messwerte als Zeitreihen und versieht sie mit Labels, die den beobachteten Dienst, Host oder Zustand beschreiben. Mit der Abfragesprache PromQL lassen sich diese Reihen auswerten, vergleichen und zu Regeln verdichten.
Die Prometheus-Dokumentation nennt unter anderem mehrdimensionale Zeitreihen, PromQL, ein Pull-Modell über HTTP und unabhängige Server als Grundprinzipien.
Metriken statt Ereignisprosa
Prometheus eignet sich für Werte, die sich über Zeit beobachten lassen:
- Erreichbarkeit und Antwortzeiten,
- CPU-, Speicher- und Datenträgerauslastung,
- Temperaturen und Hardwarezustände,
- Anzahl fehlgeschlagener Jobs,
- Alter der letzten Sicherung,
- Frische eines Collectors,
- fachliche Zähler und Raten.
Eine Metrik besteht aus einem Namen, einem Wert, einem Zeitstempel und optionalen Labels. Labels ermöglichen präzise Abfragen, dürfen aber nicht unkontrolliert wachsen. Eindeutige Benutzer-, Request- oder Dateinamen erzeugen zu viele Zeitreihen und belasten Speicher sowie Abfragen.
Scrapes und Exporter
Prometheus ruft in regelmässigen Abständen einen Metrik-Endpunkt ab. Dieser Vorgang heisst Scrape. Anwendungen können ihre Werte direkt bereitstellen oder einen Exporter verwenden, der den Zustand eines bestehenden Systems in Prometheus-Metriken übersetzt.
Das Pull-Modell macht sichtbar, ob ein Ziel erreichbar war. Ein erfolgreicher Scrape beweist allerdings nur, dass der Endpunkt geantwortet hat. Ob die gelieferten Daten vollständig, aktuell und fachlich richtig sind, benötigt eigene Qualitätsmetriken.
PromQL und Regeln
PromQL berechnet aus Zeitreihen neue Aussagen. Eine Regel kann beispielsweise prüfen, ob ein Dienst während eines Zeitfensters nicht erreichbar war, Fehler schneller zunehmen oder eine Sicherung zu alt geworden ist.
Kurze Ausschläge und erwartete Wartungen dürfen dabei nicht automatisch dieselbe Bedeutung erhalten wie ein anhaltender Ausfall. Gute Regeln berücksichtigen Zeit, Abhängigkeiten und die Folgen eines Zustands.
Alertmanager übernimmt den Alarmweg
Prometheus wertet Regeln aus. Der Alertmanager gruppiert, dedupliziert und verteilt daraus entstehende Alarme. Er kann zusammengehörende Meldungen bündeln, Benachrichtigungen zeitweise stummschalten und untergeordnete Alarme unterdrücken, wenn ihre gemeinsame Ursache bereits bekannt ist.
Die Trennung hält Messung und Benachrichtigung auseinander. Ein Alarmweg sollte zusätzlich überwacht werden, damit ein ausgefallener Alertmanager nicht unbemerkt zu falscher Ruhe führt.
Was Prometheus nicht ersetzt
Prometheus ist keine vollständige Logplattform, kein Inventar und kein Ticketsystem. Es erklärt nicht automatisch, weshalb ein Grenzwert überschritten wurde oder welche Kunden, Änderungen und Wartungsfenster dazugehören.
Auch für Abrechnung mit hundertprozentig vollständigen Einzeltransaktionen ist Prometheus laut eigener Dokumentation nicht die richtige Grundlage. Zeitreihenmonitoring toleriert andere Ausfall- und Genauigkeitseigenschaften als ein Finanzjournal.
Zusammenspiel mit Paladin
Paladin nutzt Prometheus nicht als zweite Alarmmaschine. Prometheus bleibt für Messwerte, Zeitfenster und Regeln zuständig. Paladin verbindet daraus abgeleitete Zustände mit Inventar, Änderungen, CVE-Informationen und weiterer Evidenz.
So kann ein ausgefallener Collector als technische Metrik sichtbar werden und zugleich als Blindstelle in einem Sicherheitsfall erscheinen. Messung und Kontext bleiben getrennte Verantwortungen.
Merksatz
Prometheus zeigt, wie sich ein messbarer Zustand über Zeit verändert. Was dieser Zustand im konkreten Betrieb bedeutet, entsteht erst durch Regeln, Kontext und einen funktionierenden Alarmweg.